Seltsamer Humor


Eine halbe Stunde später wollten sie sich, jeder um hundert Gramm Sushi schwerer und zwanzig Euro leichter, wieder auf den Weg machen. Doch der japanische Kellner kam noch einmal angelaufen, ein kleines Tablett in der Hand.
„Moment,“, sagte er, „nehmen Glückskeks.“
„Glückskeks? Ist das nicht chinesisch?“, meinte Mort.
„China, Japan, alles gleich. Ich mag Glückskekse.“, erwiderte Sidney.
„Nehmen Glückskeks!“
Es klang nicht mehr wie ein freundlicher Vorschlag, also nahm Mort einen der Kekse vom Tablett.
„Nein!“, rief der Kellner und schlug ihm den Keks wieder aus der Hand. „Anderer!“
Mort war es leid, sich zu wundern, und nahm gedankenlos den anderen Glückskeks.
Sid nahm sich den anderen Keks, den sein Freund fallen gelassen hatte, und brach ihn auf.
„Was zur… Du wirst eines frühen, schrecklichen Todes sterben.“, las er vor.
„Ja klar!“, lachte Mort. „Zeig mal.“
Tonlos reichte Sidney ihm den Zettel. Kurz hörte Mort auf zu lachen, dann brach er erneut aus. Sid konnte sich nun auch nicht mehr halten.
„Genialer Spruch!“, meinte er. „Wirklich kreativ. Was steht auf deinem?“
Mort brach den Keks um das längliche Stück Papier herauszuholen.
„Dein bester Freund muss in naher Zukunft seinen letzten Atem tun.“
Einige Sekunden lang herrschte Stille (bis auf die Miso-Suppe, die im Hintergrund kochte; die machte Geräusche wie kochende Suppe).
„Das heißt soviel wie ‚sterben’.“, erklärte Mort.
„Woah! Unheimlich!“
Es war tatsächlich kurios.
Irgendwann entschlossen beide, dass es sich um japanischen Humor handeln musste, den sie beide nicht kannten und vermuteten, ihn nicht zu verstehen.
Ohne zu wissen, warum, drehte Mort den Zettel um.
Ink Inc. Offenbar der Name der Firma, die die Kekse herstellte.
Mort steckte den Keks nachdenklich ein.

One Trackback

  1. By 2-Blog » Faustisches Streben on January 31, 2008 at 3:05 am

    […] etwas sehr, sehr hartes und stellte, als er es aus der Tasche zog, angewidert fest, dass es ein Glückskeks war. Stimmt, die Sache mit dem seltsamen japanischen Humor. Mort hatte vorgehabt, den Keks später […]

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