Brian III

Teil 1
Teil 2

Der Truck hielt mitten auf einem Golfplatz. Zaghaft schritt Carr einen schmalen Weg entlang zu einem Schild.

BONAMARGY

 

FRIARY

Er hob seinen Blick und ließ ihn auf eine weitere Ruine, umgeben von einem alten Friedhof und dem Golfplatz, fallen.

Bonamargy Friary

„Fore!“, rief jemand. Ein Golfball landete neben ihm auf einem Grab.

„Ein Zeichen!“, rief Carr.

Der Golfspieler, ein rothaariger Junge in seinem Alter kam und sah ihn mitleidig an.

„Ich nenne das einen Golfball…“, sagte der Ire.

Carr hatte angefangen, im Grab zu buddeln. Der Junge stand immer noch neben ihm und versuchte, sich zu erinnern, wie man mit psychoneurotisch Gestörten umgehen musste. Er beschloss, ihn anzureden.

„Äh… mein Name… ist Finn O’Ferrell.“, sagte Finn O’Ferrell.

„Hi“, sagte Carr, „ich heiße Carr.“

„Carr… wie noch?“

„Was machst du mitten in der Nacht auf einem Golfplatz?“, fragte Carr schnell.

„Ich trainiere. Morgen findet ein großes Tournier statt. Aber ich könnte dich dasselbe fragen.“

Carr erzählte ihm alles.

„Ah, ja.“, sagte Finn tonlos. Er sah sich unauffällig nach dem nächstbesten Fluchtweg um.

„Du glaubst mir bestimmt nicht“, sagte Carr. „Vielleicht ändert das deine Meinung?“ Carr zog den Arm und das Bein, welche er im Grab gefunden hatte, hervor.

v

„Wieso gehst du mir eigentlich nach?“, fragte Carr.

„Du hast noch meinen Golfball.“

„Ach ja. Entschuldigung.“ Carr nahm den Ball aus der Tasche.

„Leep Castle“, sagte der Ball. Zum Glück endlich einmal eine kurze, klare Anweisung. Und keine Beleidigung.

„Beweg dich, du Idiot“, fügte der Ball hinzu.

Carr wachte auf und sah Finn über sich stehen.

„Du bist seltsam“, stellte Finn fest, „Ich helfe dir.“

v

Leep Castle war eine halbe Ruine, im wahrsten Sinne des Wortes. Die eine Hälfte war verfallen, die andere hatte Sean Ryan, der Schlossbesitzer, eigenhändig neu aufgebaut. Es galt als eines der schlimmsten Spukschlösser in Irland, und das ist kein Ammenmärchen, mit dem ich dumme kleine Kinder erschrecken will.

Unsere beiden Antihelden mussten nicht lange auf den nächsten Hinweis warten. Wo vor einer Sekunde noch erschreckend finstere Finsternis war, erleuchteten plötzlich einige Kerzen eine unheilvolle Wendeltreppe. Carr stieg die ersten Stufen hinauf. Das Problem war, dass er wusste, hinter jeder Ecke könnte etwas lauern, und eine Wendeltreppe besteht praktisch nur aus Ecken. Ich überlasse der Flasche besser den Vortritt, dachte Carr. Aber die Flasche war nicht da. Es waren vielmehr zwei kleine Mädchen, eines ungefähr sechs, und eines um die zwölf Jahre alt. Carr versuchte, nicht zu bemerken, dass sie durchscheinend waren.

Hallo“, sagte Carr kleinlaut.

Ein Mädchen sagte, Ich bin Emely und das ist Sharlot.

„Äh… freut mich?“

Ein Mädchen fragte, Suchst du etwas?

„Ja! Habt ihr hier irgendwo einen… Rumpf gesehen? Oder ein Herz?“

Die Mädchen sahen sich an.

Du meinst… Körperteile?, fragte eine.

„Genau“

Hmm, lass mich überlegen…, sagte die andere, Ja, im Keller!

Im Keller? Blödsinn, wenn, dann im Turm!

Im Turm gibt’s nur Staub!

Ach, und im Keller nicht?!

Carr beschloss, einfach weiter auf den Turm hinauf zu gehen. Er kam in einer kleinen Kammer an und da stand eine alte Kiste. Er nahm das unförmige Stück verrottetem Fleisches heraus, legte es in den Sack zum restlichen Brian und stieg wieder hinunter.

Du warst doch noch nie am Turm, weil du Angst hast, wieder herunerzufallen!

Wenigstens weiß ich noch, wie ich gestorben bin!

Carr war froh, aus ihrer Hörweite zu gelangen.

„Hab ich was verpasst?“, fragte Finn.

„Nah“, machte Carr.

Ein Blatt Papier wurde vor seine Füße geweht. NEWGRANGE, stand darauf.

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