Brian II

Teil 1

Er ließ das Ruderboot, das er sich „geliehen“ hatte, am Steg zurück und stieg den Pfad zur Ruine auf White Island hinauf. Da waren sieben Figuren und ein Gesicht in Stein gehauen. Vermutlich war die Fratze ein Teil von Brian.

White Island Figures

Aber wie sollte er sie aus der Wand bekommen?

„Du wirst es schon da raushauen müssen,“, meinte eine traurige Stimme.

Carr drehte sich langsam um. Die Stimme gehörte einer mit einigen langen Tüchern umschlungenen jungen Frau mit blutunterlaufenen grauen Augen.

„Hey, eine Banshee! Lass mich raten… ein Traum?“, sagte Carr.

„Du bist gar nicht so dumm, wie du aussiehst… das ist aber auch nicht schwer.“, gab sie zurück, „Also, wenn du hier fertig bist, komm zum Friedhof von Caldragh“

Sie verschwand mit einem traurigen Geräusch. Eine Sekunde später erschien die Todesfee wieder und sagte: „Ach, ja: das wirst du brauchen“, und verschwand zum zweiten mal. Eine Brechstange und ein Sack fielen auf den Boden.

Und Carr wachte auf.

Die Utensilien lagen noch immer am Boden.

Er machte sich daran, das Gesicht mit dem Brecheisen aus der Wand zu stemmen.

v

Das Boot lag wieder einsam am Steg, und unser beschränkter Held befand sich drei Kilometer davon entfernt bei einem Friedhof aus der Eisenzeit. Windschiefe überwachsene Grabsteine mit unleserlichen Inschriften umringten ihn, und unter jedem von ihnen hätte ein weiteres Stück Brian liegen können. Trotzdem wusste Carr gleich, wo er fündig werden konnte. Mitten am Friedhof standen zwei Figuren, ungefähr einen Meter hoch.

Friedhof von Caldragh

Erik von Däniken hätte behauptet, das wären Aliens, dachte Carr.

„Wir sind Aliens.“, sagte einer der Steine, „Aber schau mal dich an. Du redest mit einem Stein… erste Anzeichen von Wahnsinn!“

„Ist nicht das erste mal.“

„Also schön… hopp!“, rief der andere Stein, und beide sprangen von ihren Sockeln.

Carr wachte auf.

Die Figuren lagen am Boden, und dort, wo sie gestanden hatten, ragte jeweils ein Miniatursarg aus dem Stein.

v

Jetzt hatte Carr schon drei Körperteile gesammelt: der Kopf, ein Arm und ein Fuß.

Er saß, mit seinem Leichensack auf dem Schoß bei einem warmherzigen Mann mit roten Haaren in dessen Lastwagen. Der arme Typ würde seinen Beschluss, den jungen Autostopper mitzunehmen schon bald bereuen.

Carr hatte keine Ahnung, wohin er als nächstes musste, doch er war sich sicher, dass ihm wieder irgend ein seltsamer Traum weiterhelfen würde.

Das Röcheln des Mannes unterbrach seinen kläglichen Versuch, klar zu denken. Er sah, wie der Fahrer über dem Lenkrad zusammenbrach. Der Laster fuhr einfach weiter, und beschleunigte so schnell und plötzlich, dass Carr in den Sitz gedrückt wurde.

Teil 3 

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