Ermittlungen II

Dienstag, 19. Oktober 2004

Ich wollte herausfinden, wo man in der Gegend größere Mengen an Phosphor erstehen konnte. Die nächste Fabrik schien sich laut dem Internet in Weißrussland zu befinden. Ich schickte ihnen vorsichtshalber eine Email mit der Frage, ob sie in letzter Zeit auffällige Aufträge aus Österreich erhalten hätten.

Es erschien mir jedoch sehr unwahrscheinlich, dass jemand eigens Phosphor aus entfernten Staaten einführen lassen sollte – das ginge viel einfacher, wurde mir klar: Leuchtstäbe. In Leuchtstäben ist Phosphor enthalten. Und die kann man in jedem Scherzartikelladen erhalten. In meiner Stadt gibt es davon nicht allzu viele, und ich begab mich in den erstbesten.

Ich hatte es gewusst – dort lag auf der Theke eine Schachtel, voll mit Knicklichtern. Drei Euro für so ein Ding? Ja, das ist wirklich ein Scherz!

Wie dem auch sei, zufälligerweise kannte ich die Person hinter der Theke.

Einer aus der 6d – alles Flaschen! Nachtrag: Na schön, fast alle. Man ist ja kein Menschenfeind. Offensichtlich war das hier sein Wochenendsjob. Was er an einem Dienstag hier zu tun hatte, war mir unklar.

„Was willst du?“, fragte er mich unwirsch.

„He, vielleicht wollte ich ja was kaufen, du Penner!“, gab ich mit einer Schlagfertigkeit zurück, die sogar mich selbst so verwunderte, dass ich nicht mehr wusste, was ich sagen sollte.

Ich warf einen Blick ins Lager, doch da waren nur einige Bücher und Kartons gestapelt. Ich wusste, dass der Möchtegernverkäufer aus irgendeinem Grund damit betraut wurde, unsere Schulbücher zu verwalten. Dabei fiel mir ein, dass ich noch jede Menge Hausaufgaben zu erledigen hatte.

Bevor ich ging, warf ich beiläufig ein brennendes Streichholz in eine Schachtel mit Stinkbomben, weil der Typ so unsympatisch war.

Ich beeilte mich, nach hause zu kommen – zum einen wegen der Hausaufgaben, und zum anderen wegen dem Typen, der mich den halben Weg mit einem Pogostock verfolgte (doch er wurde bald von der Polizei aufgehalten, weil er größte olfaktorische Körperverletzung verursachte).

Schließlich setzte ich mich widerwillig mit einem Buch in den Garten, und befeuchtete die Finger, um besser umblättern zu können.

Der Geistesblitz traf mich so heftig, dass ich beinahe umgekippt wäre!

Dazu leckt man seine Finger – um besser umblättern zu können! Obwohl ich mir hundertprozentig sicher war, lief ich ins Badezimmer, wo keine Fenster waren, und machte das Licht aus.

Mein Buch leuchtete im Dunkeln!

Damit war der Fall gelöst.

Der ominöse Spinner aus der 6d hatte tatsächlich jede einzelne Seite unserer Schulbücher am Rand mit einer dünnen Schicht der Flüssigkeit aus den Leuchtstäben benetzt. Wenn man sich beim umblättern die Finger abschleckte, weil man zu trockene Hände hatte, so nahm man dabei mit jedem Mal eine winzige Menge des Giftes ein – genug, um auf die Dauer krank zu machen, und sogar zu töten.

Der Kerl aus dem Scherzartikelladen sitzt jetzt, dank meiner kombinatorischen Meisterleistungen und handfesten Aussagen, irgendwo in einer Zelle und haut sich mit dem Pogostock auf den Kopf.

Und so hatte ich wieder einmal die Schule gerettet.

2 Comments