Ermittlungen I

Montag, 18. Oktober 2004

 

Heute morgen hing die Schwarze Fahne vor unserer Schule. Wer war jetzt schon wieder gestorben?

Ich brauchte nicht lange, um es herauszufinden. Wie ein Lauffeuer hatte sich das Gerücht verbreitet.

Dreiundvierzig Schüler waren vergiftet worden.

Hörte sich ganz nach einem Fall an für…

MICH!

Fall für mich!

Das Gerücht bestätigte sich bald. Viele Bekannte fehlten, und es drang aus vertrauenswürdigen Quellen so einiges an meine wachsamen Ohren.

Allmählich konnte ich manche Details eruieren.

-Bislang waren erst sieben der Schüler von den Folgen der Vergiftung dahingerafft worden.

-Betroffen waren scheinbar völlig unterschiedliche Schüler aus allen Klassen sämtlicher Jahrgänge. Das machte es schwierig, ein Motiv zu finden.

-Bei dem Giftstoff handelte es sich um Phosphor, wie mir die Schulärztin, die etliche Patienten schon in die Klinik geschickt hatte, bestätigen konnte.

-Es wurden ständig neue Personen infiziert.

Das warf zunächst viele Fragen auf.

Gab es einen Zusammenhang zwischen den Opfern? Wie um alles in der Welt konnte man so viele Leute vergiften, ohne bemerkt zu werden?

Erstere Frage durfte nicht allzu schwer zu beantworten sein, indem man einige der Opfer nach ihren Verhältnissen und Beziehungen befragte. Doch das stelle sich als schwieriger heraus, als ich zunächst annahm.

Zuerst versagte man mir den Zutritt zur Krankenstation. Es wurde schon dunkel, und um den Fall schnell zu lösen, musste ich durch ein Fenster einsteigen und einen Arzt sowie einen Patienten, der zu schreien begann, betäuben. Dann waren viele der Vergifteten unfähig, zu sprechen, und aus den wenigen, die sich artikulieren konnten, konnte ich auch nicht sehr viel herausbekommen, bzw. –prügeln.

Die Informationen, die ich dabei sammelte, schienen völlig zusammenhanglos, woraus ich schloss, dass nur kaltblütiger, ungezielter Massenmord als Tatmotiv in Frage kamen. Das ist zwar nicht wirklich ein Motiv, aber ich bin ja auch nicht wirklich ein Detektiv.

Hinter mir stöhnte jemand. Ich nahm natürlich an, dass das Geräusch von einem der Patienten stammte, und ging ohne mich umzudrehen zurück zum Fenster. Ich hatte noch nicht ganz das, was ich zu erreichen erhofft hatte, aber immerhin…

Doch es war keiner der Patienten gewesen.

Richtig, es war der Arzt, der aus seiner Betäubung erwachte!

Als ich zufällig ins Fenster sah, konnte ich hinter meiner eigenen Reflektion noch etwas anderes erkennen… eine Bewegung!

Aus einem jahrelang antrainierten Reflex heraus fuhr ich herum und rammte dem Arzt mein Bein in die Nieren. Ich traf gerade nichts anderes, aber es schien zu helfen.

Der Mann klappte zusammen und stieß rücklings gegen die Wand.

Das Licht ging aus.

Er war gegen den Lichtschalter gefallen.

Nun sah man aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit nur noch die Silhouette des Fensters, durch das der Mond schien, und seltsamerweise eine Menge grün leuchtender Flecken in der Luft.

Das Phosphor auf den Opfern. Es befand sich auf den Fingern, und wenn ich richtig sah … auf den Zungen.

Jedenfalls nutzte ich die allgemeine Verwirrung, um im Schein der fluoriszierenden Flecken das Weite zu suchen.

All das half mir bei meinem Fall keinen Deut weiter!

Das Gift gelangte offensichtlich über die Finger in den Mund und somit in den Körper – aber welcher Idiot schleckt auch seine Finger ab? Und wie kam das Gift überhaupt erst an die Finger?

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