Albtraum I

Montag, 11. Oktober 2004

 

Es ist zwanzig Minuten nach Mitternacht. Ich habe Angst. Dies könnten meine letzten Worte sein, in geschriebener Form.

Neben mir liegt eine Leiche.

Ich will der Nachwelt nicht vorenthalten, wie es dazu kam. Will ich wirklich nicht. Aber ich weiß es selbst nicht so genau.

Ich hörte langsame, keuchende Geräusche vor meiner Zimmertür. Sie kamen näher.

Jemand stand da draußen.

Wer war es? Wer kommt um Mitternacht und schlurft?

Ich weiß es auch jetzt noch nicht, aber mein Herz pumpte so viel Blut durch meinen Kreislauf, dass ich umgefallen wäre, hätte ich nicht im Bett gelegen. Ich atmete schneller und bekam Lust mich zu übergeben. Kam das von der Aufregung allein? Oder auch von dem modrigen geruch, der den Raum nun füllte?

Als die Tür unter leisen Kratz- und Stöhngeräuschen langsam aufschwang, und ein sich ein schemenhafter Arm wie ein pilzbefallener Ast in mein Blickfeld schob, atmete ich so schnell, dass mir schwindelig wurde.* Das Röcheln wurde lauter (es mag auch mein eigenes gewesen sein), ich wagte es eigentlich nicht mehr, zur Türe zu schauen – doch ich konnte meinen Blick nicht abwenden!

Der Zombie starrte mich an.

Das können Zombies besonders gut, obwohl dieser hier insgesamt nur ein halbes Auge hatte.

Er setzte einen Fuß nach vorne.

Als das Ding sein Gewicht verlagerte, fielen kleine faulige Fleischfetzen und diverse Spezies Ekel erregender flügelloser Insekten zu Boden.

Er kam auf mich zu!

Ich fand vor Angst kaum die Kraft, zurückzuweichen und mich an die Wand zu pressen.

Er kam noch näher!

Dankbar fühlte ich, schwitzend und nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, wie mein Bewusstsein langsam von meinen Urinstinkten, die jetzt von mir Besitz ergriffen, vernebelt wurde.

Flucht oder Kampf.

Flucht war nicht drin, also griff ich den Zombie an. Das angestaute Adrenalin verwandelte die Angst in Zorn und Kraft, sodass ich dem Untoten blitzschnell und überraschend entgegensprang, die kräftigen Fäuste hoch erhoben.

Doch der Untote war noch viel blitzschneller und überraschender. Er fing mich ohne erkennbare Anstrengung ab (nicht, dass man bei einem Zombie je den Ausdruck von Anstrengung erkennen könnte). Einige weitere Bestandteile seiner Anatomie verabschiedeten sich, doch daran schien er sich auch nicht sonderlich zu stören. Mit eisernem Griff hielt er meinen Arm fest.

Genau in diesem Moment entschied sich mein Urinstinkt feige, aber klug, mich wieder zu verlassen, um es mich mit wiedererlangter Klarheit mit ansehen zu lassen, wie der Zombie sich beugte und mir in den Arm biss.

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